In Führern wird für viele alpine Klettertouren im mittleren Schwierigkeitsbereich ein Tempo von 100 m/Stunde gerechnet.
Ich habe nun schon diverse längere Klettereien gemacht, und
ein solches Durchschnittstempo bislang nie erreicht. Das beste war
bisher ein Schnitt von ca. einer halben Stunde/Seillänge, und das
bei unproblematischer Wegfindung und viel vorhandenen Haken an den
entscheidenden Stellen, so daß wir nur wenig selbst legen mußten.
Daher würde ich gerne wissen, unter welchen Voraussetzungen 100 m/Stunde
als normales Klettertempo betrachtet werden.
Mir kommt diese Geschwindigkeit unter 'normalen' Alpinbedingungen (d.h. mit Unsicherheiten in der Wegfindung, Sichern u. Standbauen mit Klemmkeilen u ä.) sehr schnell vor und frage mich, ob da nicht implizit angenommen wird, daß man die Route schon mal gemacht hat, daß Stände u. Zwischensicherungen alle schon da sind, oder überhaupt ein Teil der Strecke ungesichert (oder mit Schultersicherung :-) ) gemacht wird?
Oder sind wir einfach nur hoffnungslos lahm :-)?
(verglichen damit erscheinen mir die 300 Höhenmeter/h, die oft für Gehgelände gerechnet werden, in der Regel sehr gemächlich...)
hola ulrich,
interessantes thema, leider ohne vernünftige antwort.
ich denke mal, das kennst du sicher aus eigener erfahrung, daß du im
lauf der jahre lernst aus dem topo abzulesen wie lange du etwa brauchen
wirst, bzw. durch die eigene klettertaktik bestimmen kannst wie lange es
dauert. kletterzeitangaben in führern halte ich deswegen auch für wenig
sinnvoll oder aussagekräftig sondern spiegeln meiner meinung nach nur
das niveau des autors wieder. klasse beispiel sind die zustiegszeiten bei
rebuffat.
100m/h ist wohl eh käse. eine plattenkletterei im 3./4. grad geht
schneller als ein riß im 6. grad geht schneller als A2 geht schneller
als A4, ergo was soll's?
wenn mein meister jürgen vorsteigt, dann brauch' ich für 21 SL, 6a/A0
oder 6b+ (Anouk, petites Jorassses) gerade mal 5.5 stunden.
wenn ich vorsteige und noch ein haulbag mit von der partie ist, dann
dauern 24 sl VI/A1 (half dome, regulaur nw-face) eben 2.5 tage (peter
croft übrigens nur 4.07 h)
zeitangaben sind vielleicht als ungefähre orientierung nützlich,
aber ansonsten: d'rauf g'schissen !!
ukinkel wrote: > Das beste war bisher ein Schnitt von ca. einer halben Stunde/Seillänge
Genau mein Tempo, bin daher dafür, 1/2 h/SL als Mindestzeit anzugeben, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Das kommt ein bisschen drauf an. Wenn man 6 entspannt vorsteigt, dann kann man 4-5 in vernünftigem Fels schon relativ schnell steigen, v.a. wenn man nicht Haken sucht, sondern seine eigene Linie steigen kann (weil man z.B. in einer Verschneidung ist, weil man den Stand auf dem Band oben sieht...) Das kann sich sehr schnell ändern, wenn man den Weg suchen muß, oder wenn der Fels Schrott ist.
Mein Klettertempo wurde massiv schneller, als ich nicht mehr jeden einzelnen Haken suchte (wenn in einer SL z.B. nur zwei drei Haken vorhanden sind). Aber vielleicht korrelierte das auch damit, daß das Vorstiegsniveau leicht anstieg.
Die meiste Zeit gewinnt man aber nicht beim Klettern, sondern beim Standplatz. Material übergeben und Pause machen kann unheimlich viel schneller gehen als bei der durchschnittlichen Seilschaft. Ausruhen kann man beim Sichern, dazu müssen nicht beide am selben Stand hängen. Stand bauen kann auch viel schneller gehen, wenn man nicht bei jedem Keil/Hex/Friend/Tricam drei Grössen und dann wieder je drei Positionen/Risse suchen muß.
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