Klettern in Thüringen
findet an sehr verschiedenen Gesteinsarten statt. Die
Palette reicht von Sandstein in der Rabenschüssel
bei Jena über Kalk (z.B. Döbritz)
bis zu Porphyr im Thüringer Wald.
Die Schwierigkeiten werden inzwischen nach UIAA angegeben, nur
in alten Führern finden sich noch die Sächsische Skala.
Geklettert wird nach den üblichen Freikletterregeln. Es wird
zwar überall erwähnt, daß Magnesia unüblich
ist - benutzt wird es trotzdem. Leider auch in vielen Wegen mit
Riesenhenkeln ...
Trotzdem ist Vorsicht geboten, es gab schon ärger
zwischen Eingeborenen und Gästen wegen dem weißen Zeuchs.
Die Hakensitutation hat sich inzwischen stark verbessert, fast
alle Klettergebiete wurden inzwischen saniert.
Gelegentlich kommen aber auch Techno-Freaks noch zum Zuge - noch
immer sind nicht alle Routen befreit.
Leider gibt es auch in Thüringen eine Reihe von
gesperrten Felsen. Um unnötigen ärger zu vermeiden, sollte vor
Neutouren nachgefragt werden (TBB oder DAV).
Generell gibt es für Thüringen inzwischen eine Zonenreglung!
Die nachfolgende Liste ist nicht die offizielle Liste!
Sie soll nur als Hinweis dienen. Fehler sind möglich.
- Zone 1 (Kletterverbot)
- Lauchagrund: Torstein, Backofenloch
- Falkenstein im Ungeheuren Grund
- Hainfelsen
- Böhlerstein
- Geiermassiv
- Bächerstein
- Räuberstein, Mittelberg / Silbergrund bei Oberhof
- Nadelöhr, Schmalwassergrund
- Bad Liebenstein:
Chinesisches Teehäuschen, Blumenkorb,
Morgentor, Morgentorplateau, Nähstein, Teufelsbrücke
- Zone 1 vom 1.01. bis 31.07. sonst Zone 2
- Bohlenwand
- Habichtskopf (Lauchagrund)
- Zone 2 (keine Neutouren)
- Treppenstein
- Kilianstein
Lage und Bedeutung
Der Kamm des Thüringer Waldes - eingeschlossen das im Südosten unmittelbar
anschließende Thüringer Schiefergebirge - erstreckt sich in einer Länge von
über 100 km von der Werra im Nordwesten bis zur Oberen Saale im
Südosten. Eine Fülle von Naturschönheiten zeichnet das Gebirge aus. Dicht
bewaldete Berge und Täler, malerische Burgen und aussichtsreiche Höhen
bieten ständig neue Bilder. über den Kamm des Gebirges verläuft der
Rennsteig, der die höchsten Berge des Thüringer Waldes berührt: den
Großen Beerberg (982m), den Schneekopf (978m) und den Großen Inselsberg (916m).
Das gesamte Gebirge ist Landschaftsschutzgebiet.
Die Kletterziele des Thüringer Waldes befinden sich vor allem im mittleren
und nordwestlichen Teil des Gebirges sowie im Thüringer Schiefergebirge.
Die bedeutendsten Klettergebiete sind das Inselsberggebiet mit dem
Lauchagrund bei Tabarz, das Gebiet von Tambach-Dietharz mit dem
bedeutendsten Kletterfelsen des Gebirges, dem fast 100m hohen Falkenstein,
und das Gebiet von Oberhof. Daneben befinden sich noch
Klettermöglichkeiten im Schwarzatal, in der Umgebung von Ilmenau und im
Hansbachtal bei Mosbach. In allen Gebieten findet man sowohl freistehende
Felsen als auch Massivwände von oft bedeutender Höhe.
Geschichte
Als erster Gipfel des Gebirges wurde 1852 der Falkenstein bestiegen.
Die eigentliche klettersportliche Erschließung begann aber erst um 1907 durch
Bergsteiger aus Zella-Mehlis, Erfurt und Arnstadt.
Sie konzentrierte sich vor allem auf den Falkenstein, wo die ersten Wege von Alfred König,
Fritz Oehler, Max Jacobi, Heinrich Schilt u.a. durchstiegen wurden.
Die anderen Gebiete wurden erst wesentlich später von Bergsteigern aufgesucht.
Die ersten Klettereien im Lauchagrund sind aus der Zeit um 1920 bekannt,
die ersten Aufstiege im Kanzlersgrund bei Oberhof wurden um 1936 durchgeführt.
Die meisten der zahlreichen Kletterfelsen des Lauchagrundes wurden erst nach 1958
durch Bergsteiger aus Tabarz und Waltershausen erschlossen.
In diesen Jahren wurden auch in anderen Gebieten noch viele lohnende und schwierige Wege
erstmalig begangen.
Der Klettersport im Thüringer Wald entwickelte sich mehr als in anderen Gebieten unter
alpinem Einfluß. Durch die Art des Gesteins begünstigt, benutzte man auch bei
leichteren Wegen sehr viele Haken
nicht nur zur Sicherung, sondern oft auch als unmittelbare Kletterhilfen.
Besonders seit 1934 wurden, zuerst am Falkenstein, zahlreiche Wege mit künstlichen
Hilfsmitteln erschlossen.
In den 70er Jahren begann auch in Thüringen das "Rotpunkt-Zeitalter".
(Einen ausführlichen Bericht darüber, hat Mike Jäger und Uwe Thomsen im
Rotpunkt 5/96 veröffentlicht.) Damit
setzte eine Nacherschließungsperiode ein, in der die meisten alpinen Routen
frei geklettert wurden. Ein weitere Erschließungswelle folgte Angfang der
90er mit neuem "West"-material. Inzwischen wurden auch einige neue Gebiete
eröffnet.
Hier soll kein Geologiekurs Thüringen erfolgen, sondern nur die wichtigsten
Gesteinsarten und ihre Besonderheiten für das Klettern angeführt werden.
-
Porphyr (Porhyrite, Quarzporphyr, porphyrische
Konglomerate u.ä.)
-
gelangten mal als flüssige Schmelze zur Oberfläche. Die Besonderheit
sind Einspregsel von Quarz, Glimmer und Felspat in der Grundsubstanz. (Bei
reinem Porphyr fehlt der Quarz fast vollständig). Bei der Erkaltung kam es
zu feinen Rißbildungen, die dem Fels plattige und säulige Formen verleihen.
Mit stärkerer Rißbildung neigt das Gestein zu Brüchigkeit. Griffe und
Tritte werden vorwiegend von horizontalen oder geneigten Flächen gebildet.
Die Reibung ist recht gering. Feuchtigkeit hat keinen Einfluß auf die
Festigkeit des Gesteins, vermindert aber die ohnehin schlechte Reibung noch
wesentlich.
Die Konglomerate (z.B. in der Hangstein-Gegend) haben ihren Ursprung
in der Rotliegendenzeit und setzten sich hauptsächlich aus größeren,
gerundeten Geröllen zusammen. Wenn diese Gerölle durch
Verwitterungsprozesse herausgelöst wurden, hinterlassen sie Hohlräume, die
gute Griff- und Trittmöglichkeiten bieten. Die Festigkeit ist i.A. recht
hoch.
- Kalkstein
-
besteht in der Regel aus dem Mineral Kalkspat (Kalziumkarbonat), häufig
ist auch Dolomit beteitigt. Das Gestein ist sehr massig und kompakt, so
daß häufig begangene Routen "abgespeckt" wirken.
Deshalb ist in den Thüringer
Kalkgebieten Magnesia ausdrücklich erlaubt.
- Tonschiefer
-
bestehen vorwiegend aus Quarz, Glimmer und Chlorit. In der Erdaltzeit
wurde dies unter hohem Druck- und Temperatureinfluß umkristalisiert.
Die Griff- und Trittmöglichkeiten hängen vorwiegend von der Art und Richtung
der Schieferung ab. Aufwärtsschieferungen ermöglichen oft müheloses
Steigen, während Abwärtsschieferungen meist große Schwierigkeiten bereit
halten.
Art der Kletterei und wichtige Regeln
Selbstverständlich wird auch im Thüringer Wald frei geklettert. Es gelten
die üblichen Regeln, Magnesia sollte - falls überhaupt - sehr sparsam
verwendet und möglichst wieder entfernt werden! In manchen Gebieten
soll es wegen dem weißen Pulver schon heftig ärger zwischen Einheimischen und
Besuchern gegeben haben. Da nützt auch der Hinweis "aber die andern,
nehmen es doch auch" wenig
Thüringer können manchmal sehr stur sein...
Allgemeine Regeln
-
Als Zugang zu den Felsen sind die vorhandenen Wege und Pfade zu
benutzen.
-
Achtet auf Sauberkeit und nehmt Euern und eventuell gefundenen Müll
wieder mit.
-
In Naturschutzgebieten entsprechend verhalten und nicht biwakieren!
Hinweise des Naturschutzes bitten beachten.
- Zeitweilige und ganzzeitige Sperrungen unbedingt beachten!
- Beschädigung der Felsen vermeiden.
Kletterregeln
-
Zur Sicherung können alle üblichen Mittel genutzt werden (Schlingen,
Klemmkeile, Klemmgeräte, ...)
-
Das Schlagen von Haken/Bohrhaken ist nur bei der Erstbegung erlaubt!
Hier sollten möglichst verschleißfreie Modelle verwendet werden.
(Bitte beim Landesverband nachfragen)
- An den Felsen und Massiven keine übungen im Hakenschlagen durchführen!
-
Das Anbringen (Schlagen, Bohren, Schrauben, Kleben, ...) von
zusätzlichen (nicht natürlich vorhandenen) Griffen oder Tritten ist verboten!
-
Keine vorhandenen Haken entfernen - auch wenn sie überflüssig
erscheinen. Lediglich gebietsbetreuende Sektionen oder Erstbegeher können
Haken entfernen bzw zusätzliche anbringen.
- Keinen Pflanzenbewuchs entfernen!
Erstbegungen
- Jeder hat das Recht, Erstbegungen durchzuführen
- Das Anrecht auf eine Neutour gilt als erworben, wenn ein Versuch
unternommen wurde und dies kenntlich gemacht ist (gut sichtbare Schlinge an
der Stelle, bis zu der die Route durchstiegen ist)
- Das Anrecht erlischt spätestens drei Jahre nach dem ersten Versuch
- Ein erneutes Anrecht für jeweils ein Jahr wird erworben, wenn ein
neues, wesentliches Stück begangen und gekennzeichnet wurde.
- Eine Fertigstellung einer Tour während der Anrechtszeit eines anderen
ohne desen Einverständnis wird nicht anerkannt.
- Routen dürfen von oben eingerichtet werden
- Eine Neubenennung von "befreiten" (Techno-)Wegen ist nicht üblich
- Routen sind nach bestem Wissen und Gewissen abzussichern! Dabei ist
darauf zu achten, daß Wiederholungen ohne Gefährdung möglich sind.
Unzureichende Sicherungen können durch die gebietsbetreuende Sektion
ausgetauscht bzw ergänzt werden.
Technisches klettern
An einigen Felsen finden sich immer noch Techno-Routen. Hier sollen alle
erforderlichen Haken vorhanden sein. Es ist nur in Ausnahmefällen
erlaubt, zusätzliche Haken zu schlagen, die auch wieder entfernt
werden müssen. Eine Veränderung des Charakters des Weges darf
dabei nicht erfolgen.
Die Schwierigkeitsskala
Für alle Kletterwege in Thüringen erfolgt die Angabe der
Schwierigkeit nach der UIAA-Skala. Alle Wege, bei denen die Verwendung
künstlicher Hilfsmittel erforderlich ist, werden durch Angabe des
entsprechenden Schwierigkeitsgrades (A0 bis A3) gekennzeichnet.
Sprünge werden nach der vierstufigen sächsichen Sprungskala
angegeben.
Ansprechpartner und Erste Hilfe
Kletterführer
Es gibt z.Z. einen aktuelle Kletterführer für den Thüringer
Raum und eine Reihe älterer Werke.
Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es hier überall Infos gibt.
Aber vielleicht hilft mir ja
jemand?
Routen ab 9
20 Wege gefunden
- Lagrima (10)
- Dirk Uhlig; 02.08.2008
- Hülloch (Hülloch)
- Projekt Nr. 13 im "Steinreich"
Tourlänge: 26m
- Bergweg (10)
- Johannes Vogt; 2006
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
- Judas Priest (10-)
- Thomas Hocke; 2005
- Judas (12 Apostel)
- Schneckus Maximus (10-)
- Andreas Reinl; 17.05.2003
- Eckfels (Döbritzer Kalkfelsen)
- Einstieg 2 m links neben "Gegenlicht", an 4 Haken vorbei über Dach z.A., ca. 17 Züge
- Gegenlicht (9+/10-)
- Andreas Reinl;
- Eckfels (Döbritzer Kalkfelsen)
- Route wurde vor einigen Jahren durch Olaf Herrenkind eingerichtet. wahrscheinlich 1 RP. Begehung am 20.08.2000 durch A. Reinl.
Sehr schöne athletische Dachkletterei. ca. 15 Züge Wird zum Ausstieg hin schwieriger. - Overkill (9+)
- Thomas Hocke; 2003
- Heinrichsbacher Stein (Kanzlersgrund)
- Freiberger Weg (9/9+)
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
- Lange,für Thüringen recht feste Route. Anstrengende Passage bis zum guten Schüttelpunkt, danach ausdauernd mit undankbaren Finish. Mit Magnesia erstbegangen
- Terrakotta Dir. (9)
- Thomas Hocke; 2002
- Elfter Apostel (Jakobus j.) (12 Apostel)
- Zauberberg (9)
- Jan Dankert; 2000
- Judas (12 Apostel)
- Skin Doctors (9)
- Dirk Uhlig; 23.01.2005
- Eckfels (Döbritzer Kalkfelsen)
- Rechtseinsteig zum Gegenlicht.Über zwei Laschen zum Bühler des Gegenlichts und zu dessen Umlenker.Sehr Boulderlastig und die Griffe nagen etwas am Finger.
- Kombilohn (9)
- ; 07/2008
- Hülloch (Hülloch)
- Einstieg über "Stolevel" und "Fleischerhaken" aussteigen.
Tourlänge: 20m
- Hydrogeologische Spätfolgen (9)
- Jochen Martin-Creuzburg; 2007
- Hülloch (Hülloch)
- Kombination. "Stolevel" bis zum 3ten Haken und dann nach links "3-Akt-Drama" aussteigen.
Tourlänge:18m
- 9 Leif (9)
- Dirk Uhlig; 2008
- Hülloch (Hülloch)
- Projekt Nr. 26 im "Steinreich"
4 Haken+ Umlenker
Tourlänge: 12m
- Horus (9)
- Dirk Uhlig; 2004
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
- Überholen ohne einzuholen (9)
- Dirk Uhlig; 2003
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
- Unidad Popular (9)
- Johannes Vogt; 2000
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
- Großer Westwandüberhang (9)
- Jan Kroupa; 1999
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
- Eiserne Leiter (9)
- Andreas Reinl; 11.07.2000
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
- ca. 40 Züge sehr homogene Ausdauerroute mit Einstiegsboulder.
für die Falkensteiner Felsgegebenheiten eine sehr schöne Route. etwas brüchig
- Falk in Stein (9)
- Dirk Uhlig; 2003
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
- Zwischen den Fronten (9)
- Karsten Beichler; 2003
- Falkenstein (Schmalwassergrund)
Weitere Seiten:
Ich habe eine übersicht, der mir bekannten Wände
in Thüringen zusammengestellt. Zu einigen gibt es auch noch
Detailinfos...
Falls noch jemand etwas kennt ...